*gähn*
Ich habe mir am Sonntag einen solchen Sonnenstich geholt, dass mir jetzt noch immer der Schädel brummt. Ich will daher mein eigentliches Feedback verschieben, aber ich muss hier mal dazwischen grätschen.
Simon hat geschrieben:
Ich hatte das Gefühl das der Korruptionssumpf dieses Jahr so tief wie nie zuvor war und das die Schere zwischen Neu- und Altspieler immer größer wird.
Das ist, in ganz drastischen Worten, Blödsinn. Es war niemals zuvor billiger, Bürger zu werden, und das Ambath hat so wenig Bestechngsgelder verlangt wie selten zuvor. Und die Altspieler werden immer weniger, nicht mehr. Stattdessen haben wir viel mehr frisches Blut in Tulderon! Das Teehaus (wiederholt aufgetreten, aber noch lange keine "Altspieler"), die neue Tavernencrew, den Spielmannszug (dito wie Teehaus), unsere Hypnotisöse mit ihrem Begleiter, den singenden Zeitungsmann, den verwandelnden Wächter nebst zwei Söhnen, die Fleyschhauer mit wachsender Familie (dito Teehaus)... die alten bleiben weg, aber es kommen neue nach. Hektoliter-Holgi, die Versaces (bis aus Alissa), Federkiel, Johnny Charybdis, die Schindholms, all die alten waren gar nicht da, und das schon seit Jahren. Seit es die alten Institutionen wie die Kabal der Träume oder die großen Alten der ungenannten Gildern nicht mehr gibt, ist es in jedem Bereich der Arbeit
einfacher geworden, Fuß zu fassen. Die oben genannte Behauptung ist von vorne bis hinten falsch: Die Stadt ist nicht korrupter als früher, und die "Schere" zwischen neuen und alten nicht größer.
Simon hat geschrieben:Neuspieler haben es immer schwieriger in der Stadt irgendwie Fuß zu fassen, was daran liegt, dass selbst die Stadtwache
Selbst? Was heißt hier "selbst"? Die Stadtwache war niemals eine ehrliche Ausnahme in einer Stadt voller Korruption. Die Stadtwache war schon immer bestechlich, faul, unzuverlässig und gierig. Wie jede gute Polizeikraft.
Simon hat geschrieben:willkürlich und selbstbereichernd geworden ist
Geworden ist? Siehe oben, war nie anders.
Simon hat geschrieben:und nur nach Lust, Laune und Geld ihre Ermittlungen aufnimmt
Siehe oben, war nie anders. Und dass die Stadtwache
überhaupt mal ermittelt, ist schon eine echte Sensation. Dieses Jahr sogar
ohne Extragebühren.
Simon hat geschrieben:und die dunklen Gilden durchgehend schützt.
Ist nie passiert, wird wohl auch nicht passieren. "Die Stadtwache" hat mit keiner Gilde was zu tun. Wen man nicht kennt, kann man nicht verraten, oder? Wenn einzelne mit besonderen Gilden verbunden sind, und wenn diese einzelnen dann im Interesse jener Gilden handeln, hat das nichts mit der Stadtwache im allgemeinen zu tun. Und ich habe wirklich und ehrlich keine Ahnung, was damit gemeint ist, dass die Stadtwache die Gilden beschützen würde.
Simon hat geschrieben:Man hat quasi nur die Optionen sich ausnehmen zu lassen und horrende Summen zu zahlen oder selbst ein Teil dieser Korruption zu werden.
Absolut. Schon immer so gewesen. Tulderon ist die Stadt des
Geldes, nicht die statt des Rechts oder der Fairness oder einer gerechten Prozessführung. Wobei ich noch einen dritten Weg hinzufügen will: Statt viel Geld abzudrücken oder selber korrupt zu werden, kann man die Wächter auch erfreuen. Wir lieben Süßigkeiten, Alkohol und Unterhaltung.
Simon hat geschrieben:Tulderon ist mittlerweile
Mittlerweile?
Simon hat geschrieben:ein Schurkenspiel und weniger eine Stadtsimulation. Ich bewundere die, die es tatsächlich ehrlich versuchen.
Weder bewundere ich die noch finde ich die doof. Es ist ja nicht so, dass sie tapfere Märtyrer sind, die elendig scheitern. Oder dass sie Deppen währen, die einfach scheitern. Ich finde stattdessen jeden toll, der das tut, was ihm Spaß macht, und ich freue mich über jeden, der dann auch wirklich Spaß damit hat. Das Sudhaus, das Teehaus, die neue Cabal, der Mandelbrotstand, die Leckerschmeckers, die Post, die Universität... keiner von denen tritt als Schuft und Schurke auf, und alle von denen scheinen Spaß zu haben.
Simon hat geschrieben:@Axel, du musst dich nicht für Mike rechtfertigen bzw. für ihn Stellung beziehen, wenn er das will, kann er das auch selbst.
Lass mich das umgekehrt auch auf Dich anwenden, Simon.

Wer Ärger hatte mit der Stadtwache, wer sich ungerecht behandelt fühlte oder meint, sein Spiel sei an den Wächtern und deren Einstellung gescheitert, der kann das ja selber sagen. Du brauchst nicht zum Verteidiger der Entrechteten zu werden.

Überhaupt sollte sich jeder mit de Urteil darüber zurückhalten, wie die Wache funktioniert oder wie sich sich verändert hat oder was sie so tut, wenn er nicht selber Teil der Wache war. Was man nicht kennt, darüber kann man nicht urteilen. Bloß, weil man zum ersten mal das Vergnügen hatte, zum Bestechungsgeld genötigt zu werden, heißt das nicht, dass diese Praxis neu wäre. Dann ist man eben bisher davon gekommen. Der Wachmann am Tor, der täglich drei Dutzend Scheine kontrolliert, weiß sehr viel besser, wie vielen er davon Geld abgeknöpft hat, als der eine einzelne Spieler, der durch einen Zufall der Statistik eben mehrfach in eine der "besonderen" Kontrollen geraten ist.
Ganz allgemein zu den Torkontrollen: Die Tarife, nach denen dort eingenommen wurde, sind seit zehn Jahren unverändert. Wer behauptet, die Wache sei gieriger oder korrupter geworden, der kennt sich einfach nicht aus und weiß nicht, wovon er redet. Meinen ersten AO Wach habe ich 2003 erhalten, und nach dem arbeite ich noch immer. Es hat schon immer Geld gekostet, keine Papiere zu haben, und das wird es auch in Zukunft. Neu ist, dass auch bei gültigen Passierscheinen und Bürgerscheinen gelegentlich Strafgebühren erhoben wurden. Damit wollten einige Wächter ausgleichen, dass a) die Wache von Jahr zu Jahr schlechter bezahlt wird und b)immer weniger ein sichtbarer Unterschied dazwischen gemacht wird, wer ein Bürger und wer "bloß" ein Besucher ist, und unter den Bürgern, wer spendabel und großzügig und wer knauserig ist. Besucher wurden schon immer geschröpft, und die großzügigen unter den Bürgern schon immer bevorzugt behandelt.
Es kann teuer werden, bewaffnet ohne gültigen Waffenschein das Tor passieren zu wollen. Manch ein Spielkonzept soll daran schon zerschellt sein. Das haben die Wächter nie beabsichtigt, aber stets in Kauf genommen. Gaukler, Apotheker, Sklavenhändler, Heiler und viele andere haben bereits festgestellt, dass sie nach 5 Minuten im Spiel pleite waren und dringen einen neuen Weg brauchten, um Geld zu verdienen. Der Wachposten am Tor ist die Feuerprobe, durch die alle durchmüssen. Wenn jeder durchgewinkt würde und ohne Hindernisse und Stolpersteine das machen könnte, was er vorhatte, dann wäre Tulderon nicht sehr besonders. Eines der Alleinstellungsmerkmale Tulderons ist, dass die Stadt
Dir ihren Willem aufzwingt und Du nie vorher weißt, was kommen wird. Wie in jeder anderen Stadt auch, in der man fremd ist, braucht man die Hilfe von Ortskundigen, um nicht unterzugehen. Hat mal jemand von euch versucht, in Marakesch ein Café aufzumachen oder in Moskau eine Varietéshow auszurichten oder in Schanghai eine Fabrik zu bauen? Dort wird man nach fünf Minuten alle seine Erwartungen über den Haufen werfen und komplett von neuem anfangen müssen, wenn man keine Hilfe vor Ort hat. Es ist ja gerade Zweck und Absicht und das Wesen von Tulderon, die Spieler aus ihrer bisherigen Wohlfühlzone zu reißen und sie zu zwingen, sich an eine andere Art des Zusammenspiels anzupassen.
Dieses Jahr haben zwei bis drei Spieler ihr Gesamtvermögen eingebüßt, weil sie nichtsahnend in die Kontrolle gelaufen sind. Alle anderen haben vorher gültige Papiere gekauft oder waren einfallsreich. Manche haben gejammert und gefleht, bis sie reduzierte Gebühren zahlen durften, manche geschmeichelt, gebuckelt und geflirtet, damit sie weniger Gebühren zahlen durften, und manche haben einfach anderes angeboten. Zwei Spieler haben Bier ausgegeben, um Strafen zu entgehen, eine Spielerin hat ein schmutziges Bild gemalt, und vor einem Jahr hat einer der Wache ein Fläschchen Schnaps spendiert. Die Wächter sind zu jeder Menge Ausnahmen bereit und gehen gern auf das Spiel der anderen ein, und die Wache macht jede Menge Spielangebote. Wer allerdings mit der Flexibilität eines Granitblocks darauf besteht, auf gar keinen Fall zahlen zu wollen (und vielleicht dabei die Wächter zusätzlich noch beschimpft und anschreit) oder einfach nur hilflos wiederholt "aber dann bin ich ja pleite", der wird am Tor zerbrechen. Ich persönlich habe jedem Spieler das Angebot gemacht, in der Wache zu arbeiten, ich habe so gut wie jedem Spieler, der keinen Waffenschein hatte, das Angebot gemacht umzukehren und nicht in die Stadt zu gehen (ganz besonders denjenigen beiden, die ihre 2,9 Silber abgegeben haben). Niemand ist gezwungen, Tulderon bewaffnet zu betreten. Wer darauf besteht und dann das Strafgeld bezahlt, der ist ganz allein selber Schuld und darf auf niemand anderem mit dem Finger zeigen. Ich wiederhole das Nochmal: Beide hatten die Chance, einfach umzudrehen und die Brücke nicht zu passieren. Beide wollten mit dem Kopf durch die Wand. Beide haben die Rechnung dafür bezahlt, ohne nach einem Ausweg zu suchen (Jammern/Schmeicheln/Sonderleistungen). Ich kann die Spieler nur zum Wasser führen, trinken müssen sie selber. Ich will meine Zeit und Kraft, die von tausend anderen Dingen beansprucht wird, nicht zusätzlich dafür aufwenden, den Spielern Alternativen aus ihren eigenen Nasen zu ziehen. Wenn ich da Lust und Zeit zu habe, dann mache ich das schon mal. Wie bei der supertollen Lirerin mit dem Aktbild. Das super war. Wenn ich da keine Lust und Zeit zu habe, dann werfe ich Leute in den Kerker, pfände ihren Besitz und jage sie aus der Stadt. Was ich, im Gegensatz zu vor fünf Jahren, dieses Jahr nicht gemacht habe. Wenn überhaupt, dann ist die Wache sanftmütiger geworden und nicht härter. Weder habe ich mehrfach am Abend Geld vom selben Haus kassiert, weil dort kein Licht war (gell, Tara, Lutz?), noch habe ich gezielt jagt auf jene gemacht, die ihre Papiere selten am Mann hatten (gell, Tara?), um ihnen wiederholt Strafgebühren abzunehmen.
Dass es im ersten Augenblick nicht schön ist, den Ansprüchen einer anderen Partei ausgeliefert zu sein und man sich drangsaliert und ungerecht behandelt fühlt, das kann ich verstehen. Wer aber einfach mit der jeweiligen Sitation mitgerollt ist und versucht hat, den besonderen Tanz der Passkontrolle mitzutanzen, dem haben wir stets unser bestes Spiel geboten und uns bemüht, was schönes draus zu machen. Wer jetzt noch immer glaubt, er sei zum Opfer gemacht und ausgebeutet worden, der möge sich mal an die Nase fassen und fragen, ob er nicht auch selber mit etwas mehr Flexibilität und Offenheit hätte versuchen können, die Lage zu entschärfen. Wer nach dieser inneren Einkehr noch immer glaubt, schlecht behandelt worden zu sein, der möge mir das doch ruhig mit einem offenen Wort mitteilen, und ich werde mein möglichstest tun, um Abbitte zu leisten. Ich habe zwar ein großes Maul und lautes Auftreten, aber ich habe auch ein offenes Ohr.
Lars, bekannt als Erlinn der Adept, Oberleutnant in Rot-blau
Nachtrag:
Jan_Schattling hat geschrieben:
P.S.: Da ich mich während des Jahres mal mit den Gesetzen auseinander setzen will und ihn IT auch angefordet hatte, aber er doch leider nicht wie gedacht auf der Webseite ist, könnte mir bitte jemand der ihn hat den AOWach zukommen lassen? Danke.
Auf gar keinen Fall. Der AO Wach ist, wie schon auf seinem Deckblatt steht, vertraulich und nur für den Dienstgebrauch zu verwenden. Wenn Tore den haben will, dann soll er der Stadtwache beitreten.

In Wirklichkeit bin ich viel hübscher.