Ich habe immer gesagt: Solange ich Erlinn spielen kann, komme ich mit dieser Rolle in die Stadtwache nach Tulderon. Dieses Kapitel ist nun zu Ende. Ich hatte immer großen Spaß als Stadtgardist, und Tulderon war mir immer mein liebstes Spiel im Jahr. Danke an alle, die dabei waren, danke an alle, die das möglich gemacht haben, danke an alle, die mitgemacht haben.
Ich habe beim Packen einen Blick auf meinen Bürgerschein geworfen - 5020, von dem Jahrgang (oder früher) sind wohl nicht mehr viele übrig. Ich hab' mal im Kopf überschlagen und kam noch auf fünf. Hab' mich recht lang gehalten.

Dieses Jahr hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich habe viele persönliche Ziele erreicht, die ich immer schon mal auf einem Spiel (und besonders auf einem Tulderon) erreichen wollte: Ich habe mit Erlinn einen anderen Charakter verprügelt, ohne dafür Magie einzusetzen. Ich habe gedroht, ein Geschäft mit Waffengewalt schließen zu lassen, wenn ich nicht gratis was Süßes bekomme. Ich habe Hellseherei betrieben. Ich habe einen Trupp ausländischer Mordbuben erschlagen, die einen meiner Wächter bedroht haben (bei der Aktion hatte ich Hilfe). Ich habe gleich mal die erste Nacht durchgemacht. Ich war endlich mal ein Held, habe einen vertrackten Mordfall gelöst und wurde dafür sogar gelobt (gut, auch dabei hatte ich Hilfe). Ich habe ein paar wichtige Lektionen an das Wachpersonal weitergegeben die ich schon lange loswerden wollte. Alles in allem habe ich viel von dem erreicht, was ich schon immer mal auf einem Larp machen wollte, und das alles in diesem Jahr und in meiner liebsten Larpstadt.
Ich habe fast durchgehend ein tolles Spiel erlebt mit all den wunderbaren Leuten in Tulderon. Geholfen hat dabei, dass uns dieses Jahr kaum in die Stadtwache reingeredet wurde. Das war angenehm. Ganz besonders toll fand ich es, mit Herrn und Frau Felsenfingers, Frau Cassandra Lindegel-Corvus und Herrn Schneckenpöst vier Urgesteine Tulderons wiederzusehen. Es wehte gleich wieder ein ganz anderer, ursprünglicher Geist durch die Straßen. Vielen Dank für euer tolles Auftreten - das macht den Abschied weniger schwer; ich habe noch einmal etwas von meinem alten, geliebten Tulderon gesehen. Vielen Dank auch an den Schnapsmann Philipo, der mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit abzufüllen versucht hat, und an die Crew der Bodega (nebst Shorty), denen das auch gelungen ist. Mit euch allen die Abende zu verbringen war wirklich großartig. Danke an den alten Zauberer Matschkopf und sein junges Mündel - nach dem etwas holprigen Einstieg freue ich mich jedes Jahr mehr darauf, euch zu sehen.
Die Gilde der Dampfplauderer, Wichtigtuer und Zeitverschwender hat auch dieses Jahr wieder eine ausgelassene und heitere Gildensitzung für mich parat gehabt. Ihr habt Recht, Frau Lindegel-Corvus: Die Straßen sind viel zu sicher, die Heiler haben zu wenig zu tun; die Gilde muss DRINGEND eine Petition in den Magistrat einbringen, dass die Stadtwächter mehr Freizeit bekommen!
Ihr Adeligen auf dem Wall, kommt endlich mal runter von da und hinein in die Stadt! Es ist zwar wirklich toll und beeindruckend, eure Zeltstadt zu sehen, aber das wahre Stadtleben findet nun mal, naja, in der Stadt statt. Deswegen finde ich es super, dass die Landsbergs jetzt das Casino gemacht haben - so kommt ihr viel mehr hinein ins Stadtleben, und da wollen wir euch auch haben. Vielleicht bezieht ihr ja mal ein schönes Chalet im Stadtkern? Es wäre toll, wenn die Zeltstadt in Tulderon mal wieder richtig eng bebaut wäre.
Das TEZ (Tulderoner Einkaufszentrum) hat ja trotz der Abwesenheit von Ricken und Mestor (Feigling!) noch mal richtig zugelegt - außer Mandelbrot werden da jetzt auch Kuchen und Torten live vor unseren Augen gebacken! Das ist fantastisch. Der Herold schafft es zwar immer noch nicht, meinen Namen richtig zu schreiben, aber es wurde schon besser. Meinen tiefempfundenen Nachruf haben die trotzdem nicht gedruckt, das nehme ich denen Übel. Könnte mir bitte der hochgeschätzte Redakteur die getippte Fassung per PM, Mail oder sonst was zuschicken? Ihr habt nämlich mein einziges Manuskript erhalten, und ich würde den Nachruf gerne aufbewahren.
Apropos Nachruf: Timothy Marquart ist von uns gegangen! Das war ein Schock, der viel zu wenig Echo gefunden hat. Der strahlendste Held in Aklons Geschichte, der ruhmreichste Streiter gegen das Böse, abgestochen in einem Tulderoner Hinterzimmer. Da ist ein ganz, ´ganz unrühmliches Ende für so eine großartige Figur - und seine Mörder sollten sich schämen, für eine derartige Bagatelle gleich zur Todesstrafe gegriffen zu haben. Das ist ganz mieser Stil.
Guter Stil hingegen von den Entführern der Adeligen vom Wall: Das war mal eine Nummer, an der alle Schurken der Stadt sich ein Beispiel nehmen können! Hut ab!
Ich habe in meiner Betrachtung des diesjährigen Tulderons bestimmt ganz viele von euch liebenswerten Halunken vergessen, die eine besondere Erwähnung verdient haben. Wie bei all den Herumtreibern, Gaunern, Tagedieben und Nichtsnutzen ernsthaft jemand behaupten kann, dieses Tulderon sei langweilig oder ereignislos gewesen, will mir nicht in den Kopf. Ihr bringt euch halt selbst um euren Spaß, wenn ihr immer nur in der Bude hockt.

Danke wie jedes Jahr an die Orga: Euer Einsatz ist unermüdlich und schier übermenschlich. Ihr seid super.
Zu guter Letzt: Meine Stadtwache. Jungs, ihr seid super. Auch wenn wir am Schluss nur noch das Auffangbecken für die Kleinen der Stadt waren (anstatt das Auffangbecken für die nutzlosen, faulen, und unansehnlich, das wir früher waren) und uns zumeist mehr wie eine Kita als wie eine Wache vorkamen, fand ich jeden Moment toll. Ich bin gerne Stadtwächter in Tulderon gewesen, aus Überzeugung und mit Begeisterung. Ich habe drei Kommandanten überlebt, eine Unzahl an Sergeanten, ein paar nutzlose Leutnants, inkompetente oder sogar gemeingefährlich unfähige Wächter, Angriffe von Fossoren, Feen, Untoten, Malagiten, Aklonern, Minotauren; die zahlreichen Ausbrüche nach Kastors Lady's Night, die Übernahme durch Aklon, den Einmarsch der Wehrfelder, den Mord an Bürgermeister Martin (Ihm geht's wieder besser), Überfälle durch Kastors Schläger und gemeine Gauner, der Amoklauf der D'arccipieris, Morde und Selbstmorde in unserem Kerker; ich habe einen Lemuren in den Tod gehen sehen, weil er einen Stadtwächter bedroht hat (Danke, Sador!); man hat mich beschimpft, bedroht, verleumdet und verhaftet, und ich war immer noch da; ein Bürgermeister und ein Oberamtsvorsteher wollte mich aus dem Amt jagen und haben trotz 23 schriftlicher Beschwerden gegen mich (ein besonders stolzes Jahr!) beide ihr Amt früher verloren als ich; ich wurde von Untoten Heroen über den Burghof gehetzt, ich habe mit dem alten Federkiel die Monster in Kastors Katakomben auf Stufe "Total TÜV" auf ihre Sicherheit geprüft (macht mir DAS einmal einer nach), ich habe im fahlen Mondlicht auf dem Friedhof getanzt und die Toten der Tull dazu überredet, sich selber neue Gräber zu schaufeln, und zum Schluss habe ich einem Rattenoger das Singen und Tanzen beigebracht. Mit euch habe ich eine Menge erlebt, ihr wundervoll unheroischen, unehrlichen, ungeliebten Stadtwächter. Bei euch war ich wirklich zu Hause. Mein Wachhaus wird mir fehlen. Aber ein paar Dinge werden bleiben: Der Paragraph über vorsätzliches und nichtgewerbliches Rumlungern zum Beispiel oder das Beschleunigungsgeld gehen auf Erlinns Konto. Ein bisschen was wird also bleiben.

Ganz besonders stolz bin ich auf meine beiden Protegées, Anduron den Wachelf und Gloriu..., ähm, Werner den Ermittler. Ich erwähnte oben schon den Guten Stil: Sonntags in Gewandung zum Frühstück zu gehen, ist für mich ein Zeichen von guten Stil. Am Sonntag noch bis 11:59 Uhr in Rolle zu bleiben und jeder heißen Spur nachzujagen, ist ein ganz großes. Andere können (und sollten) sich ein Beispiel an euch nehmen. Ihr sagt "24 Stunden In-Time" nicht nur, ihr macht das auch.
Nun muss die Wache ohne mich klarkommen. Mehr als ein Jahrzehnt war ich bemüht, den Laden zusammenzuhalten. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass niemand länger Dienst in der Truppe getan hat als ich. Von Sadors alter Garde ist nun keiner mehr übrig außer Sador selbst, und der zählt nicht.
