Das Spiel als solches hat mir gut gefallen, auch wenn ich nur sehr wenig davon miterlebt habe. Ich habe noch nie zuvor so viel Zeit auf meinem Zimmer verbracht. Das gemeinsame Spielen mit den anderen Spielern und den NSC war fast immer sehr toll, atmosphärisch dicht und im allgemeinen gut.
Jetzt komme ich zu den Details, und da möchte ich mit den weniger erfreulichen Anfangen. Der Check-In war ein wenig umständlicher als nötig gewesen wäre. Der Vorraum zum Haus war als Durchgang für alle Anreisenden ein suboptimaler Ort. Zusätzlich fände ich es toll, die Phönix-Caharkterdatenbank flächendeckend als Eincheck-Werkzeug zu nutzen; das erleichtert den Vorgang und macht das Einchecken auch viel kürzer. Es ist mir außerdem unbegreiflich, welchen Zweck das Auswürfeln von Startgeldern hat: Auch wenn ein Zufallsfaktor in die Zusammmenstellung der Ressurcen eines Charakters gebracht werden soll, ergibt es einfach keinen Sinn, einen Startcharakter aus Land A auschließlich mit Geld aus Land B auszustatten, während wir uns in C befinden.
Die etwas suboptimale Aufstellung in Sachen Organisation hat sich durch das Spiel fortgesetzt: Orgaansagen zum Spielhintergrund (als Beispiel soll hier die Barriere um Heshrar dienen) waren gelegentlich wiedersprüchlich, und manche Umsetzung von Spielsituationen wirkte reichlich improvisiert. Alles in allem hatte ich den Eindruck, dass die Orga mit einem Mangel an Zeit und Koordination zu kämpfen hatte, und das hat sich leider gelegentlich auf das Spielgefühl ausgewirkt.
Die Ausstattung des Spiels war der Hammer. Punkt. Die Kostüme der Wachen und Schakale sind phänomenal, die Porträts vom Pharao und seinem Verweser echt toll gelungen, die Requisiten wirklich Eindrucksvoll. Oh, und die Mumie Heckmeck und der Bewahrer der Wege natürlich auch. Genauso die Zerhackbaren und aussiebbaren Klumpen von Siegel und Taslin. Toll!
Das Haus hat mir ausnehmend gut gefallen. Die Zimmer waren komfortabel, die Toiletten sauber, der Schlosscharakter schön und die Zimmerbenennung liebenswert.
Die NSC habe ich irgendwie durchwachsen wahrgenommen. Einerseits sind die Ushabti, die Mumie und der oberste Artefaktmagier imposante Erscheinungen gewesen. Andererseits empfand ich es auf die Dauer vor allen Dingen als entnervend, ständig wie ein Lakai behandelt zu werden. Wir waren immerhin Gäste. Das soll nicht heißen, dass die NSC ihre Figuren nicht gut dargestellt haben: Ich fand bloß das, was sie dargestellt haben, ausgenommen anstrengend.
Von der Spielerschaft war ich ausgesprochen angetan. Ich habe es bisher selten erlebt, dass das gemeinsame Charakterspiel so gut funktioniert hat. Ganz besonders positiv aufgefallen sind mir dabei der Botschafter von El Shai und das Stotternd-Schwerhörige Duo der Al Machialis. Ich hatte zwar persönlich nichts mit denen zu tun, aber sie waren immer ein unterhaltsamer Anblick. Außerdem fand ich den Klimpermantel schön.

Außerdem möchte ich noch den gräßlich-abscheulichen Heiler aus meinem Gefolge hervorheben: Außer seiner großen Kompetenz hat er auch noch phänomenale Verstümmelungen seines Gesichts zur Schau getragen. Das hat neue Maßstäbe für den Nachteil "verunstaltet" gesetzt. In Zukunft möchte ich nur noch so etwas sehen! Mehr Mut zur Hässlichkeit!
Nicht so gut haben mir auf diesem Spiel die Dragonsyssis gefallen. Ich finde es toll, dass systemfremde Spieler ein Phönixlarp besuchen, und die einzelnen Spieler haben sich mit unterschiedlichen Graden an Zurückhaltung und Kontaktscheue ins Spiel eingebracht. Ärgerlich fand ich allerdings die abenteuerlichen Beschreibungen der Herkunft als "Ein Land ganz, ganz weit weg, dass Ihr bestimmt nicht kennt" und "Wir kommen aus einem Reich südlich der Mittellande" und "wir sind durch ein Tavernenportal hergereist". Da stimmt irgendwas in der Kommunikation zwischen den Spielern und der Orga nicht, wenn sowas herauskommt.
Schlussendlich hatte ich auf diesem Spiel Spaß, auch wenn ich leider berufsbedingt unterbeschäftigt und unterrepresäntiert war. Mein Gefolge wurde gräßlicherweise von der Wüste verschluckt!
Mikes Darstellung des grimmigen Magiers mit der Prinz-Eisenherz-Frisur wird mir noch lange in Erinnerung bleiben!
P.S.: "Das Essen war da" ist wirklich eine treffende Beschreibung. Die Qualität kann und will ich der Orga nicht zum Vorwurf machen, aber die untoten Bohnen waren wirklich gruselig.
P.P.S.: Ich fand die Vorstellung von Kindern auf dem LARP zunächst überhaupt nicht ansprechend, und die Aussage, dass es sich um "Prinzessinen" handele, hat da keinen positiven Beitrag zu geleistet. Letzten Endes waren sie aber einfach unsichtbar, und deswegen auch nicht störend oder schlimm. Gelegentlich war der Anblick einer babysittenden Caro geradezu herzerwärmend.

In Wirklichkeit bin ich viel hübscher.